Noch kein altes Eisen: Neue Jobs für „Oldies“
Die Sozialagentur zieht ein vorläufiges Fazit aus dem Förderprogramm. Zugleich bemüht sie sich um die Fortsetzung von „Perspektive 50plus“.
116 ältere Empfänger von Arbeitslosengeld II, das umgangssprachlich Hartz IV genannt wird, wagten in Ostvorpommern in den letzten beiden Jahren den Sprung in die Selbständigkeit. Weitere 42 erhielten bisher zumindest zeitweilig einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft. Ermöglicht wurde das durch das Programm „Perspektive 50plus“ des Bundesarbeitsministeriums. Wie 61 weitere Gewinner der bundesweiten Ausschreibung konnte die Sozialagentur Ostvorpommern zwei Jahre lang ausprobieren, wie speziell über 45-jährige Langzeitarbeitslose wieder integriert werden könnten. 4,4 Millionen Euro an Bundesmitteln standen der Agentur dafür zur Verfügung. Die Wolgaster Agentur versuchte es mit Existenzgründungen insbesondere auf dem Gebiet touristischer Dienstleistungen und einem Arbeitnehmer-Pool für die Landwirtschaft.
Nun läuft das Programm aus. Aus diesem Anlass empfing die Sozialagentur gestern in Mölschow Kollegen von den ARGEn Salzgitter, Braunschweig und Wolfenbüttel, die zusammen ebenfalls Träger eines Projektes des Bundesprogramms sind, zu einem Erfahrungsaustausch. „Auch ALG-II-Empfänger über 45 Jahre sind in der Lage, Unternehmungen zu gründen“, formuliert Agenturleiter Kurt Rabe als wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt. „Das Einstiegsgeld, das sie nach heutiger Gesetzeslage erhalten können, reicht dazu aber nicht aus.“
Das Wolgaster Existenzgründungsbüro dagegen konnte den Langzeitarbeitslosen, die mit einer tragfähigen Geschäftsidee ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollten, zusätzlich mit bis zu 5000 Euro unter die Arme greifen und zinslose Kredite bis zu 25 000 Euro ausreichen. Selten musste diese Maximalmöglichkeit genutzt werden. „Obwohl das Ziel von 80 Existenzgründungen schon übererfüllt ist, reicht das Projektbudget deshalb noch aus, weiteren Unternehmensgründern Starthilfe zu geben“, versichert Büroleiter Stefan Seidel. 29 sind derzeit dazu noch in den Vorbereitungsphasen.
Nicht ganz so erfolgreich war das Büro für Landwirtschaft. „Ich denke jedoch, dass wir in dieser Saison noch das Projektziel erreichen, 60 Langzeitarbeitslosen einen Job zu besorgen“, ist Büroleiter Hartmut Richeling zuversichtlich. „In der Landwirtschaft ist der Arbeitskräftebedarf gering. Gleichzeitig jedoch werden Spezialisten für GPS, Lagerhaltung und Pflanzenschutz gebraucht. Entsprechend müssen wir unser Klientel qualifizieren“, schlussfolgert er. Neuerdings werden ehemalige Landarbeiter auch als Schweißer und Fernfahrer ausgebildet, um in den ersten Arbeitsmarkt außerhalb der Landwirtschaft integriert zu werden.
Die Sozialagentur bemüht sich um eine Fortsetzung des Programms „Perspektive 50plus“. Schon, um die Neuunternehmer beratend begleiten zu können. Die politische Entscheidung dafür soll so gut wie sicher sein. Noch sind die Modalitäten unklar. Deshalb werden zwar vorläufig keine neuen Leute in die Programme aufgenommen, aber Ideen seien dennoch willkommen, sagt Seidel. Wenn beispielsweise Touristiker eine Beschäftigungsidee haben, aber eine Arbeitskraft dafür allein nicht bezahlen könnten, so könnte man im Falle der Fortsetzung des Projektes versuchen, dies über einen selbstständigen Dienstleister für mehrere Betriebe zu verwirklichen. zurück zur Übersicht







